Dieses Argument kommt natürlich häufig, wenn sich jemand für eine Ausbildung zum Großfeuerwerker interessiert. Es gibt auch tatsächlich eine sprengstoffrechtliche Erlaubnis nach §27 SprengG, die sich an Privatpersonen richtet. Allerdings hat diese Ihren Ursprung nicht im Großfeuerwerk, sondern im Böllerschießen, Vorderladerschießen und dem Wiederladen von Patronen. Sie richtet sich daher vornehmlich an Sportschützen oder Brauchtumspfleger. Eine Erlaubnis nach §27 SprengG für Großfeuerwerk ist zwar theoretisch möglich, in der Praxis aber aus den folgenden Gründen nicht praxistauglich:

    1. Erst einmal stehen hier vor allem die enormen Kosten für die Materialien, die Ausbildung, die Lagerung, den Transport, die Versicherung, und die Zünd- und Abschussgeräte im Raum, die für ein schlichtes Hobby einfach zu hoch sind. Selbst wenn Sie gut verdienen ist es unglaubwürdig, dass Sie diese Kosten nur investieren wollen, um sich an Silvester, an Ihrem Hochzeitstag und an Ihrem Geburtstag selbst ein Feuerwerk zu schenken.

    2. "Ich kann doch für Bekannte und Freunde ein Großfeuerwerk schießen. Die zahlen ja nur das Material und ich mache das dann umsonst." Leider ist das aber kein "privates Feuerwerk". Wenn Sie nämlich für Dritte ein Feuerwerk abbrennen und es sich dabei nicht gerade um Ihre Verlobte oder eine enge Verwandtschaft handelt, dann sind Sie gewerblich tätig. Gewerblich tätig zu sein setzt nämlich nicht voraus, dass Sie an Ihrer Tätigkeit etwas verdienen müssen! Es gibt ja kein Gesetz das einem Unternehmer vorschreiben würde Gewinn zu machen. Sonst wäre praktisch jeder Selbständige der Verluste macht nicht mehr gewerblich tätig. So einfach geht es also leider nicht. Entscheidend ist nicht Ihre Gewinnabsicht, oder ob Sie Werbung machen oder ob Sie ein Gewerbe angemeldet haben oder nicht, sondern dass Sie ein Feuerwerk abbrennen, dass sonst von einer Firma durchgeführt werden würde. Das Sprengstoffgesetz schreibt Ihnen zudem auch vor, dass Sie für das Abbrennen zwingend einen Helfer benötigen und auch dieser muss natürlich über Sie versichert sein. Privat dürfte das schwierig werden. Aus diesem Grund wird eine Erlaubnis nach §27 SprengG für das Abbrennen von Feuerwerken oft auch mit Auflagen verbunden. Hier sieht der Kommentar des Sprengstoffgesetzes beispielsweise vor, dass Sie die Auflage bekommen können Feuerwerke nur auf Ihren eigenen Grundstücken abbrennen zu dürfen.

    3. Wenn Sie für Dritte tätig sind und Sie durch ihr Feuerwerk einen Schaden verursachen, dann wird Sie keiner fragen ob Sie das jetzt gewerblich oder privat gemacht haben, sondern man wird den Schaden gegen Sie geltend machen. Ein simpler Lackschaden an einem Auto genügt schon um die Rentabilität Ihres Feuerwerkes in ein richtig dickes Minus zu verwandeln. Spätestens an dieser Stelle wird man Sie nach Ihrer Berufshaftpflichtversicherung fragen und dann wird sich schnell herausstellen, dass Sie für diese Tätigkeit ein Gewerbe hätte anmelden müssen. Eine Berufshaftpflichtversicherung ist für Feuerwerker nicht nur wichtig und sinnvoll, sondern sie ist für ein "Hobby" auch etwas zu teuer. Gerade bei Berufsanfängern sind die Versicherungsprämien relativ hoch und liegen schnell bei mehreren hundert Euro im Jahr.

    4. Sie dürfen ein Großfeuerwerk nicht nach Lust und Laune machen, sondern Sie müssen sich dabei an dieselben Vorschriften halten wie es auch die großen Feuerwerkereien tun. Das heißt Sie müssen für jedes Feuerwerk eine Einwilligung des Grundstückseigentümers einholen, das Feuerwerk mind. 14 Tage vorher bei den Behörden anmelden, sich um die umfangreichen Absperr- und Sicherheitsmaßnahmen kümmern (ein Abbrennplatz hat immerhin meist mehr als 100 m Durchmesser), evtl. eine Sicherheitswache der örtlichen Feuerwehr bestellen, die örtliche Polizei informieren, benötigen eine Schutzkleidung und müssen abklären, ob Sie sich vielleicht in einem Natur-, Vogel- oder Landschaftsschutzgebiet befinden und deswegen weitere Genehmigungen benötigen. Manchmal sind beispielsweise auch Sondernutzungsgenehmigungen oder eine verkehrsrechtliche Anordnung erforderlich, weil ein öffentlicher Weg kurzfristig gesperrt werden muss, oder weil ein Grundstück der Gemeinde nicht für den dafür vorgesehenen Zweck verwendet wird. Im Anschluss daran machen Sie dann eine Gefährdungsanalyse, unterweisen Ihre Helfer, erstellen ein Beförderungspapier nach ADR und zählen Ihre bis dahin verbrachten Stunden mal zusammen. Mal ehrlich, klingt das alles wirklich nach einem "Hobby"?

    5. "Ich schieße ja nur bei meinen runden Geburtstagen, also alle 5 Jahre mal". Auch das wird nicht klappen. Eine sprengstoffrechtliche Erlaubnis erlischt nämlich, wenn Sie die Tätigkeit nicht binnen einen Jahres aufgenommen haben, oder wenn Sie sie mehr als 2 Jahre unterbrochen haben. Vor Ablauf von 5 Jahren müssen Sie zudem bereits an einem Wiederholungslehrgang teilgenommen haben um Ihre Erlaubnis für weitere 5 Jahre verlängern zu können.

    6. "Ich brauche kein Lager, ich lasse mir die Ware direkt vom Hersteller zum Platz fahren." Das ist völliger Unsinn. Erstens liefert Ihnen kein Hersteller eine Ware zu einem festen Zeitpunkt direkt an den Abbrennplatz, zweitens erfolgt eine Anlieferung in der Regel in ganzen Gebindegrößen und Sie werden kaum ein Feuerwerk machen, bei dem Sie beispielsweise einen Karton mit römischen Lichtern komplett aufbrauchen und drittens müssen Sie ja auch einen aufgetretenen Versager sicherstellen und einlagern können. Oder glauben Sie den holt der Hersteller nach dem Feuerwerk ab?

    7. Feuerwerk ist Gefahrgut und hat entsprechend hohe Transportkosten. Feuerwerkereien kaufen deshalb immer mehrere Paletten auf einmal. Das relativiert einerseits die Transportkosten und senkt zusätzlich die Einkaufspreise durch Mengenrabatte. Sie werden deshalb große Probleme haben für ein privates Hobby, kleine Mengen an Großfeuerwerkskörpern zu bekommen. Durch die geringen Mengen steigen Ihre Einkaufspreise ganz erheblich gegenüber denen eines Berufsfeuerwerkers.

All diese Gründe zeigen deutlich, dass das Abbrennen von Großfeuerwerk kein privates Hobby sein kann. Das kann nur funktionieren, wenn Sie als Helfer bei einer Feuerwerkerei tätig sind. Dann haben Sie weniger Arbeit, kein Risiko, keine Probleme und können aber dennoch Ihrem Hobby nachgehen.

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